Unsere Geschichte

1921 - drei Jahre nach dem Ende des 1. Weltkriegs! Trotz des permanenten Rohstoffmangels arbeiteten die heimischen Haus und Fabrikweber Tag für Tag unermüdlich an ihren Webstühlen. Verdient war nicht viel, von Reichtum konnte keine Rede sein. Freude und Entspannung kamen dabei nicht auf, die Freizeit war äußerst knapp bemessen. Wo konnte man denn überhaupt Ablenkung vom mühevollen Alltagseinerlei finden? An der frischen Luft vielleicht, etwa auf dem Weißenstein, wo allmählich dem runden Aussichtsturm die umstehenden Fichten über das Haupt zu wachsen drohten? Beim Turnen möglicherweise im 1902 gegründeten Turnverein Stammbach oder bei den Schützen, wo man sogar die Wahl zwischen der Bürger und Schützengesellschaft und dem Zimmerstutzenverein hatte? Sangesfreudige mochten ihre Stimme im Gesangverein von 1862 unter der Dirigentschaft des Lehrers Anton Loew erschallen lassen, während sowohl die Aktivitäten als auch das gesellschaftliche Leben in der örtlichen Feuerwehr gerade etwas brach lagen. Hochbetrieb herrschte dagegen beim täglichen Dämmerschoppen der Bürger sowie an den Wochenenden in den zahlreichen Bierwirtschaften Stammbachs, waren sie doch gleichzeitig die Heimstatt der örtlichen Vereine.

Leibesübungen zur Körperertüchtigung bot, wie gesagt, der Turnverein an; streng und militärisch ging es da zu. Seit einigen Jahren jedoch wurde, von den Städten ausgehend, eine andere Art von Leibesertüchtigung gepflegt, Fußballsport genannt. Aus England stammend, hatte der Fußball gegen Ende des 19. Jahrhunderts seine Anziehungskraft auch auf Deutschland ausgedehnt. Seit 1903 gab es bereits eine deutsche Meisterschaft. Und hier wiederum war es die Nürnberg/Fürther Achse, die sich beispielgebend hervortat. Die Volksempfänger gaben davon Kunde.

Wen wundert es nach all dem, wenn auch auf dem Lande das Bedürfnis nach diesem fremdartig anmutenden Sport immer größer wurde? Der Reiz des Neuen macht seit eh und je neugierig, errungene Erfolge spornen an. In Münchberg, so hörte man, gab es bereits seit 1910 den Fußballclub, in Helmbrechts vom Frühjahr 1921 an, anderswo war es ähnlich. Sollte Stammbach da abseits stehen? Die Jugend fragte beim Turnverein an. Vergebens! Die traditionell verwurzelten bürgerlichen Turnväter lehnten diese "rohe Balgerei" ab. Genügten etwa Turnen und Leichtathletik, Faustball, Ringen oder Boxen nicht?

Wollten die jungen Fußballhungrigen nicht für alle Zeiten lediglich untereinander auf Straßen oder Wiesen dem runden Leder nachjagen, vielmehr ihre Kräfte mit auswärtigen Gleichgesinnten messen, blieb ihnen keine andere Wahl, als einen neuen Verein zu gründen. Am 23. August des Jahres 1921 war es soweit. Der FC Stammbach war geboren, pikanterweise im Vereinslokal des Turnvereins, dem "Gasthof zum Hirschen" am Marktplatz.


Doch aller Anfang ist schwer. Gleich das erste Spiel wurde in Sauerhof 0 : 2 verloren. Heimspiele könnten erfolgversprechender sein, dachte man. Wo aber sollten sie stattfinden? In unserer hügeligen Gegend konnte man nicht einfach eine ebene Fläche zum Fußballplatz erklären, weil es die nicht gibt. Zuerst versuchte man es mit leicht hängenden Wiesen, in der Horlachen, am Löhlein, unterhalb des Weißensteins gar. Bald stellten sich sportliche Erfolge ein, Mittel und Spitzenplätze in der C-Klasse. Parallel zum sportlichen Geschehen pflegte man die Geselligkeit. Tanzveranstaltungen wurden abgehalten, Theater spielte man, genau wie die Turner. Kein Wunder, dass im März 1922 ein Brief des TV einging, die Integration anbietend, unter gewissen Bedingungen, versteht sich. Damit wollte man sich auf elegante Art und Weise die entstandene Konkurrenz vom Halse schaffen. Nichts da! Die FCler lehnten dankend ab, verstärkten vielmehr ihre Bemühungen um eine geeignete Spielstätte. Und sie wurden fündig. Der Bauer Schwappacher, wohnhaft auf der Förstenreuther Mitteleinzel, war gewillt, ein Waldgelände östlich des Bahnhofs pachtweise zur Verfügung zu stellen, so geschehen im Jahre 1923. Der später sog. Bahnhofsportplatz wurde urbar gemacht und bespielt. Es entstand im Laufe der Zeit eine wunderschöne Anlage, die fortan fast drei Jahrzehnte das sonntägliche Ausflugsziel sportlich interessierter Familien sein sollte.

Es liest sich so einfach: Ein Fußballplatz entsteht. Was aber steckt nicht alles dahinter? Völlig zu Recht schrieben Heinrich Schlegel(+) und Max Fraaß im Jahre 1951: "Es waren nur Fußballidealisten, die durch eigener Hände Arbeit die Voraussetzungen für eine gedeihliche Entwicklung des Stammbacher Fußballsportes schufen. Es kostete neben der geopferten Freizeit viel Mühe und Schweiß, bis das gesteckte Ziel, einen brauchbaren Fußballplatz zu schaffen, erreicht war." Die Fußballgeneration von heute möge sich dieses Zitat ruhig einmal durch den Kopf gehen lassen! Übrigens gelang es dem FC durch die Initiative des Starkn-Hann ( Johann Schmidt ), den Bahnhofsportplatz im Jahre 1925 für 1000 Reichsmark käuflich zu erwerben.

Und damit sind wir beim Geld. In jedem Sitzungsprotokoll der vergangenen Tage ist die Rede davon. Nie fehlt der Hinweis auf den Kassenbestand, Anschaffungen mussten getätigt, Strafen ausgesprochen, Eintrittspreise festgelegt, Gratifikationen gewährt werden. Protokolle spiegeln die Volkswirtschaftslage wider. Beispiel gefällig? 1922 verlangte man 20 Mark Mitgliedsbeitrag, im März 1923 bereits 300 Mark, im Juli des gleichen Jahres bereits 3000 Mark. Als die Beiträge Millionenhöhe erreichten, wurde es den FClern zu dumm. Sie bestimmten beispielsweise, dass die Aufnahmegebühr in den Verein künftig den Preis von einem Liter Bier betragen sollte. Was war geschehen? Der Verfall der Markwährung aufgrund der unseligen Bestimmungen des Versailler Vertrages war nicht aufzuhalten, die Inflation spürte jeder, auch der junge Verein.

Doch nun wieder zu den Hauptanliegen eines Vereins wie dem FC Stammbach! Hier steht wohl die Ermöglichung sportlicher Betätigung an erster Stelle. Wie es darum in den Gründerjahren bestellt war, wissen wir nicht genau. Zu wenig enthält das entsprechende Protokollbuch über den Spielbetrieb. Es gab eine Herren, eine Reserve und eine Jugendmannschaft, selten freilich alle drei zur gleichen Zeit. Der Spielbetrieb wurde zweifelsohne bis 1927 einigermaßen aufrechterhalten. Dabei muss es oftmals turbulent zugegangen sein; um die Disziplin einzelner, ja ganzer Mannschaften sowie jener von Vorstandsmitgliedern stand es nicht zum besten, mussten doch ständig Ermahnungen und Strafen ausgesprochen, Bußgelder entrichtet werden. Konrad Zehkorn beispielsweise wurde 1924 wegen unsportlichen Betragens und häufigen Fehlens bei Auswärtsspielen ohne hinreichende Entschuldigung für ein Vierteljahr gesperrt, ganz schön hart!


1926 endlich stellte man eine Vereinssatzung auf und ließ sich am 4. Februar in das Vereinsregister eintragen. Die Farben schwarz und gelb wurden ein Jahr später zu Vereinsfarben erklärt. Ansonsten überwiegen, wie schon angedeutet, in den ersten neun Jahren eher negative Schlagzeilen. So zum Beispiel organisierte man im Mai 1923 mit viel Aufwand ein Sportfest mit Festzug, Abholung der eingeladenen Gastmannschaften vom Bahnhof, einem Wettlauf, Fußballspielen und Tanzball. Laut Protokollbuch kam diese Veranstaltung, aus irgendwelchen Gründen auch immer, nie zustande.

Es muss wohl überhaupt öfters zu Differenzen unter den Mitgliedern gekommen sein. Davon legt die Mitgliederstatistik Zeugnis ab. Nach raschem Anwachsen der Mitgliederzahl auf über 100 innerhalb kurzer Zeit mehrten sich Austritte und Wiedereintritte, Vorstände und andere Funktionäre traten zurück, um wenig später in Amt und Würden wiederaufzutauchen. Unwillkürlich sucht man nach den Gründen und wird rasch fündig, trifft man doch auf Namen, die in der unglückseligen Stammbacher NS-Vergangenheit in wichtigen Positionen erscheinen. Obwohl §2 der Satzung besagt, dass "der Verein auf politisch und religiös neutraler Grundlage" zu stehen habe, glückte ihm das nicht, was wiederum beweist, dass ein Verein eben die politische Gesellschaft widerspiegelt. Und so kam es, wie es kommen musste: Die Politik spaltete den Club. Die einen kehrten ihm den Rücken und wandten sich dem 1927 gegründeten Arbeiter, Gesang und Sportverein zu, der auf gemeindeeigenem Grund nahe des Angers selbst den Spielbetrieb aufnahm. Noch einmal versuchte man, das Ruder herumzureißen. Doch die Vorstandschaft des FC scheiterte 1928 mit ihrem Antrag, die Doppelmitgliedschaft bei FC und AGSV zu unterbinden, indem sie solche Mitglieder ausschließen wollte. Daraufhin trat der Vorstand geschlossen zurück, amtierte merkwürdigerweise freilich bald wieder. Zeit für den Verein hatte man wegen der parteipolitischen Tätigkeit wenig. Da der Rest der Mitglieder in Gleichgültigkeit verfiel, kam das Vereinsleben zum Erliegen. So musste 1929 nicht ein einziges Protokoll angefertigt werden. Lediglich die Generalversammlung ein Jahr später fand am 28. Januar statt. Unter Tagesordnungspunkt 1 ist nachzulesen: "Ein Jahresbericht war nicht zu erstatten."

 

FCS Geschichte 01

Das Unheil nahm wenig später seinen Lauf. Mit der Begründung, dass im FC Aktivitäten fehlten und ein "Wiederaufkommen kaum möglich" sei, trat man an den Stammbacher Turnverein mit der Bitte heran, den Fußballclub Stammbach in dessen Reihen aufnehmen zu wollen. Dem Ansinnen wurde entsprochen. Am 2. August 1930 kam es im Verlauf einer außerordentlichen Generalversammlung zu dem folgenschweren Beschluss der 15 verbliebenen Teilnehmer, den FC als selbständigen Verein aufzugeben und ihn mit seinem gesamten Vermögen in den Turnverein einzugliedern. Es war dies die schwärzeste Stunde in der Vereinsgeschichte. Am Spielbetrieb änderte sich allerdings nichts; die Aktiven spielten mit schwarzgelben Farben eben als TV Stammbach bis in den 2. Weltkrieg hinein weiter.

Noch viele Jahre später und nicht selten, erregte diese Geschichte die Gemüter so mancher FC-Getreuer. Sie warfen den Turnern Habgier und Demontagebestreben vor. Bei objektiver Betrachtung muss man freilich konstatieren, dass der Turnverein schuldlos war und lediglich die günstige Gelegenheit beim Schopfe packte, um auf diese Weise sein Vermögen, u.a. um einen schönen Sportplatz zu vermehren.

Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass kurz nach der Auflösung des FC die Reichstagswahl stattfand und mit dem Sieg der Nationalsozialisten endete. Im Zuge der Gleichschaltung wurde 1933 der Arbeiter, Gesang und Sportverein verboten, der Sport war politisiert. Bald kam der Krieg.

Wen das Fußballfieber einmal gepackt hat, der kommt davon nicht mehr los. Sogar während des Krieges spielten Stammbacher in allen möglichen Militärmannschaften, und gleich nach Kriegsende rannte in unserem Markt eine sog. "wilde Mannschaft" dem runden Leder nach. Auf 34 einst hoffnungsvolle Talente musste Stammbachs Fußballsport freilich verzichten. Sie waren nicht mehr heimgekehrt. Ihnen und den im 1. Weltkrieg Gefallenen zu Ehren errichtete man 1958 eine schlichte Gedenkstätte.

Zurück zum Neuanfang! In einer alten Festschrift lesen wir: "Nach Lockerung der Vereinssperren wurde am 18. April 1946 die Sportgemeinschaft ( SG ) Stammbach gegründet in der Absicht, alle Sporttreibenden in einem Verein zusammenzufassen". Fürwahr eine löbliche Absicht und eine sinnvolle dazu! Es mussten viele Hindernisse aus dem Weg geräumt werden, bis der neue Verein geboren war. Gleichwohl feierte der Fußball unter diesem Namen seine bis dahin größten Erfolge.

Spieljahr 1945/46 : 2. Rang in der C-Klasse
1946/47 : 1. Platz und Aufstieg in die B-Klasse
1948/49 : 5. Rang gemeinsam mit GW Sparneck

Diese Platzierung berechtigte infolge der Neueinteilung der Spielklassen zum Aufstieg in die A-Klasse. Das Entscheidungsspiel gegen Sparneck auf neutralem Platz in Münchberg ging mit 0 : 2 verloren. Es sollte halt nicht sein.
Lag es an dieser Niederlage oder an der Tatsache, dass Stammbacher Fußballer und Turner einfach nicht zusammenpassten? Jedenfalls kam es 1949 zu Differenzen, die zur Spaltung der SG führten, wobei diesmal die Initiative von den Turnern ausging. Sie etablierten sich in einer Nacht und Nebelaktion wieder als selbständiger Verein und stellten die verbliebenen SGFußballer praktisch vor vollendete Tatsachen. Als erstere gar für die Benützung des Bahnhofsportplatzes eine Gebühr forderten, war das Faß endgültig übergelaufen. Am 20. Februar 1949 trafen sich 63 Stammbacher Fußballanhänger im Kinosaal Petzet zu einer außerordentlichen Generalversammlung. Mit großer Mehrheit wurde der Beschluss gefasst, den FC Stammbach von 1921 wieder erstehen zu lassen. Georg Stricker war der Mann an der Spitze, und da er bereits vorher der SG vorstand, wurde ihm die seltene Ehre zuteil, binnen vier Wochen Vorsitzender eines Vereins mit zwei verschiedenen Namen zu sein. Um der Chronistenpflicht Genüge zu tun, sei noch erwähnt, daß gleichzeitig mit der Wiedergründung des FC eine Tischtennisabteilung mit Heinrich Schlegel an der Spitze ins Leben gerufen wurde. Des weiteren ernannte man alle noch lebenden Gründungsmitglieder zu Ehrenmitgliedern.

Die Weichen für den Neubeginn waren gestellt. Was fehlte, war ein geeignetes Spielfeld. Man entsann sich der brachliegenden gemeindeeigenen Anlage am Anger und kam überein, diese zu einer reinen Fußballwettkampfstätte auszubauen. Manche Hürden galt es zu überwinden, eine Menge Schweiß wurde vergossen. Die erste FC-Festschrift von 1951 berichtet darüber: "Es war ein Verdienst des damaligen 1. Vorstandes Georg Stricker, dass in einer verhältnismäßig kurzen Zeit aus dem gemeindlichen Grundstück am Anger ein brauchbares Spielfeld entstand. Mit über 4000 freiwilligen Arbeitsstunden bewiesen Ehrenmitglieder, Mitglieder und Freunde des Fußballsports wie einst am Bahnhof ihren Idealismus in der Tat." Der Strickersch Gerch stand auch hier an erster Stelle, brachte er es doch allein auf rund 200 Arbeitseinsätze. Die Ernennung zum Ehrenmitglied bildete den gerechten Lohn für diesen nimmermüden Idealisten. Natürlich war es nicht mit der Arbeitsleistung allein getan, sondern es bedurfte des Aufbringens von 10 000 DM mittels einer Anteilscheinaktion und eines Darlehens, eines Toto sowie eines Gemeindezuschusses, um das Werk vollenden zu können. Letztlich freute man sich, das 30jährige Vereinsbestehen mit einem Sportfest am 23. und 24. Juni 1951 auf der neuen Sportstätte feiern zu können.
Die Hauptspielpaarung lautete:
FC Stammbach I  - 1.FC Nürnberg Junioren
Ein Sportverein darf getrost als die Miniaturausgabe der jeweiligen Gesellschaft betrachtet werden. Und die hatte sich nach dem Krieg gewaltig geändert. Das Land war gespalten, der Flüchtlingsstrom aus dem Osten bedurfte der Bewältigung. Demokratie war angesagt, der Wiederaufbau begann, die Mittel dazu waren knapp. Harte, beschwerliche Jahre standen an. Jeder langte tüchtig zu. Es konnte ja nur besser werden. In dieser Situation bewährten sich die Vereine bestens. Demokratisches Verhalten fiel nicht schwer; es wurde schon seit der Gründerzeit praktiziert.
War es die neue Art von Freiheit, oder waren es die Mühen des Alltags, die ausschlaggebend dafür waren, die Vorstandsposten fast jedes Jahr völlig neu besetzen zu müssen?

Unbestreitbar ist die Tatsache, dass Funktionäre ihren Platz räumten, weil sie ihren Wohnort aus beruflichen Gründen veränderten oder wegen der Erbauung eines Eigenheimes ( z.B. erstand 1950/51 die Großsiedlung an der Streitauer Straße ) keine Zeit mehr dafür hatten. Von 1949 bis 1956 repräsentierten den FC Stammbach sechs verschiedene Vorstände. Erst als Kurt Schramm, der Lehrer aus dem Frankenwald, sich zur Wahl stellte, hatte das Wechselspiel ein Ende. Der neue Vorsitzende amtierte immerhin 12 Jahre. Zwischenzeitlich ( 1966 ) hatte er so viel vereinspolitische Erfahrung gesammelt, dass er zum Bürgermeister der Marktgemeinde Stammbach avancierte und dieses Amt 30 Jahre vorbildlich versah. Weitere FC-Funktionäre kamen als Gemeinderäte ihren Aufgaben voll nach, was beweist, dass ein Sportverein und insbesondere der FC Stammbach eine hervorragende Bühne und ein geeignetes Sprungbrett für eine politische Karriere darstellt.

 

FCS Geschichte 02

Und nicht nur das. Ebenso wie die politische Gemeinde hatte auch der FC die Aufgabe, die vielen, vielen Flüchtlinge, die den Verlust ihrer Heimat beklagten, in das Vereinsleben zu integrieren. Dies geschah reibungslos. Beispielsweise erfuhr die 1. Mannschaft eine "Blutauffrischung", indem 1951 fünf Spieler und 1952 gar die Hälfte der Mannschaft samt Trainer Vinzenz Ohneiser Flüchtlinge waren. Heimatvertriebene stellten sich auch gern als Funktionäre zur Verfügung, was dem Gesamtverein sichtlich gut tat. Ist es da verwunderlich, wenn der Chronist in der Festschrift von 1951 schreibt: "Die frühen fünfziger Jahre gehörten seit Bestehen des Vereins zu seinen fruchtbarsten. Die 1. Fußballelf wurde als Spitzenmannschaft der B-Klasse jahrelang überall gefürchtet." Auch die Mitgliederzahl schnellte in die Höhe, der Zuschauerbesuch bei Heimspielen konnte sich sehen lassen. Um den Nachwuchs brauchte man sich überhaupt keine Sorgen zu machen. Bestand eine Jugendmannschaft praktisch seit der Gründerzeit und leisteten ihre jeweiligen Betreuer Hans Scherer, Johann Quiring, Max Ehrler, Franz Lemnitzer, Georg Stricker u.a.m. hervorragende und sehr erfolgreiche Arbeit, so trat die 1951 gebildete Schülermannschaft unter ihrem rührigen Leiter Karl Reichel II. in die gleichen Fußstapfen.

Eitel Sonnenschein also beim FC? Mitnichten, denn wo blieben die Erfolgs und Aufstiegsmeldungen der 1. Mannschaft, mit der das Ansehen des Vereins nun einmal eng verknüpft ist? Der Traum von der A-Klasse blieb fast 70 Jahre unerfüllt. Immer hielt man sich die Vereine der Nachbarorte gleicher Größe vor Augen, und jene schafften eben oftmals die Höherklassigkeit. Warum nicht der FC Stammbach? Die Anhänger redeten sich an den Stammtischen die Köpfe heiß. Helfen konnte dies jedoch auch nicht. Das FC-Flaggschiff, die 1. Elf, wollte die Einfahrt in den A-Klassenhafen einfach nicht finden. Die Gründe? Es lag zum einen an der Spielstätte, die  von Idealisten erschaffen  gar bald arg ramponiert war. Feste, wie z.B. das Wiesenfest, fanden auf ihr statt, Radler und Mopedfahrer benützten sie als Rennbahn, weil sie nicht absperrbar war, Kinder und Jugendliche rannten jeden Tag darauf hinter einem Ball her, was der Leistung gut tat, dem Platz nicht. Sie war Schulsportplatz und Trainingsstätte. Das alles hielt sie nicht aus, zumal die Entwässerung lange Zeit zu wünschen übrig ließ.

 


Mit hartkantiger Abraumschlacke ging man ihr zu Leibe, was die Tiefgründigkeit des Bodens kurzzeitig beseitigte, den Aktiven bei Stürzen jedoch böse eiternde Wunden beibrachte. Dies wiederum hatte längere Trainings und Spielpausen zur Folge. Kurzum, der FC-Sportplatz war selten in einem gut bespielbaren Zustand. Da konnten sich die jeweiligen Platzwarte noch so viel Mühe geben. Der holprige Platz ließ die Bälle verspringen, was auf die Akteure bestimmt nicht leistungsfördernd wirkte.

 

Es lag nicht nur am Sportplatz, sondern häufig auch an der Einstellung der Aktiven. Die Trainingsbeteiligung war nur sporadisch gut. Kam ein neuer Trainer, war die Begeisterungsfähigkeit schnell geweckt. Nach wenigen Wochen freilich, wenn sich Erfolge nicht gleich einstellen wollten, fiel man in den alten Trott zurück. Stammbacher Mentalität? Es fehlte bei vielen einfach der Ehrgeiz und der eiserne Wille, sich Leistungsfortschritte im Training zu erarbeiten. So gesehen verwundert es nicht, dass sich das Übungsleiterkarussell beim FC Stammbach besonders schnell drehte.

 

Übungsleiter  Zeitraum
kein geregeltes Training  1921 - 1950
Pittroff Richard 1951
Ohneiser Vinzenz  1952
Mertel Fritz  1954
Pecher Adolf  1957
Scherdel Karl  1959
Seuß Robert  1960 - 1962
Hintermeier Heinz 1963
Seuß Robert 1964
Buß Heinrich  1967
Werner Klaus
1968
Primus Hermann 1968
Hildner Rainer  1972 - 1975
Hildner Rainer  1976
Schaller Max  1978
Ott Heinz  1980
Kühhorn Friedrich  1981
Eschenbacher Gert  1983
Endreß Fritz  1985
Eschenbacher Gert  1986
Reber Hans  1987
Bischoff Waldemar  1988
Eschenbacher Gert  1993
Zanirato Mario 1994
Löhnert Jürgen  1994
Wolf Jochen  1994
Matthias Becker 1999
Karl-Heinz Kappl 2000
Horst Preissinger ab 2001

 



Es waren gute und weniger geschickt agierende Übungsleiter darunter. Interessant wäre es, ihre Motive für das Antreten bzw. die Beendigung ihrer Arbeit beim FC Stammbach im Rahmen einer Diskussionsrunde zu erfahren.

 

Die Schichtarbeit einzelner Spieler in der heimischen Textilindustrie wird immer wieder als Verhinderungsgrund in Bezug auf das wöchentliche Training ins Feld geführt. Auch das Fehlen geeigneter Übungsstätten während des Winters mag eine Rolle gespielt haben. Die Schulturnhalle war wegen ihrer ungünstigen Ausmaße kein guter Fußballplatzersatz. Andere Vereine hatten es da besser, standen ihnen doch in der klimatisch gesehen ungünstigen Jahreszeit geräumte und ausreichend beleuchtete Übungsstätten zur Verfügung. Kaum Wintertraining, unbefriedigende Leistungen! FCMannschaften brachen leistungsmäßig stets im Frühjahr ein und verloren wertvollen Boden in der Tabelle.

 

Ein weiterer Grund für die langjährige Fußballstagnation: In Stammbach schwankt das Stimmungsbarometer bei Spielern und Anhängern zwischen Siegen und Niederlagen besonders stark. Bei Siegen ist der Zuschauerzuspruch groß, Niederlagen in Serie setzen Aggressionen frei, die in Zuschauerabstinenz einmünden. Daß solches Verhalten für die Spieler nicht besonders motivierend ist, liegt auf der Hand. Man könnte zu diesem oftmals heiß diskutierten Thema noch viel bemerken. Vielleicht liegt der Grund der Diskrepanz zwischen den Hoffnungen der Anhänger und den erzielten Ergebnissen ganz einfach im fehlenden Talent der heimischen Fußballer. Wer weiß?

 

Eines ist jedoch sicher. Der FC Stammbach hat sich nie aufgegeben. Auch in seinen bittersten Nachkriegsstunden wie etwa 1964, 1974 und 1985 ( eigentümlicherweise fast im Zehnjahrestakt ), wo jeweils der schmerzliche Weg in die unterste Spielklasse, die CKlasse, angetreten werden mußte, raffte man sich wieder auf und schaffte mit vereinter Kraft jedesmal den baldigen Wiederaufstieg in die BKlasse.

 

Eine Meisterschaft muß gefeiert werden. Da solcherlei Erfolge beim FC Stammbach nicht an der Tagesordnung waren, kostete man sie besonders nachhaltig aus. Aufs Feiern versteht man sich beim FC seit eh und je. Die Festschrift von 1971 verrät uns etwas über die Erringung der CKlassenmeisterschaft 1966: "Nach zwei Jahren der Erniedrigung wurde der Wiederaufstieg in die höhere Spielklasse in überlegener Manier geschafft. Da gleichzeitig die 2. Mannschaft in ihrer Klasse den ersten Platz belegte, herrschte eitel Freude unter den Mitgliedern. Voller Stolz kaufte man ein Schwein, ließ es vom Vereinswirt schlachten und veranstaltete für alle Mitglieder eine würdige Meisterschaftsfeier."

 

Das ist eben auch ein Kennzeichen des Vereinswesens: die Wahrnehmung kultureller Aufgaben! Und solche hat der FC Stammbach in seiner nunmehr 75jährigen Geschichte stets hervorragend bewältigt. Denken wir nur an Feste und Feiern! Neben den Meisterschaftsfeiern, die schon gestreift wurden, sind es vor allem die Weihnachtsfeiern des Gesamtvereins oder der einzelnen Abteilungen, die sich großer Beliebtheit erfreuen. Sie bestehen in der Regel aus einem besinnlichen Teil, in dessen Verlauf bei andachtsvoller Stille den Vortragenden gelauscht wird und einem heiteren Ausklang, dessen Höhepunkt der Auftritt des Nikolaus darstellt. Letzterer ist nicht nur für die Überreichung von Geschenken zuständig, sondern glossiert gewöhnlich Aktive und Funktionäre in gekonnter Manier.

 


Meister in diesem Metier waren Georg Stricker, Willi Köhler, später Ottmar Benker II sowie Dietmar Reichel bei den Alten Herren. Die traditionelle Tombola mit ihren wertvollen, von der heimischen Geschäftswelt in dankenswerter Weise gestifteten Sachpreisen, rundet die FCWeihnachtsfeier ab.

 

Von FCKindesbeinen an ist man bemüht, nicht nur den eigenen Mitgliedern kulturell etwas zu bieten, sondern die Allgemeinheit in das Angebot einzubeziehen. Bereits im Gründungsjahr gab es eine vereinseigene Theatergruppe. Sie trat jeweils im Dezember oder im April im Saale des Vereinswirts, später im Reichelsaal, vor einem begeisterten Publikum auf. Lustspiele, "dramatische Schauspiele und Singspiele" kamen zur Aufführung, so z.B. "Mein Herzliebchen unterm Rebendach" ( 1925 ) oder "Dreimal verlobt" ( 1952 ). Ihre Blütezeit erlebte die muntere Spielschar in der ersten Hälfte der zwanziger Jahre und später in den ersten zehn Jahren der Nachkriegszeit unter den Leitern Georg Stricker und Herbert Dickwach. Danach erfreute sich das Fernsehen steigender Beliebtheit; das Laienspiel kam aus der Mode. Die Gruppe löste sich auf.

 

Eine längere Erfolgsperiode war den Tanzveranstaltungen des Vereins beschieden. Wenn auch deren Zahl von ursprünglich vier im Jahr auf zwei schrumpfte, tat dies der Anziehungskraft und der Stimmung keinen Abbruch. Besonders die Faschingsbälle in der Nachkriegszeit im Reichelsaal bildeten den Höhepunkt der Stammbacher Karnevalszeit schlechthin. Obwohl die Fußballer und die Tischtennisabteilung getrennte Veranstaltungen ausrichteten, konnte sich der Vereinskassier immer ins Fäustchen lachen; der Verein erzielte doch jedesmal einen erklecklichen finanziellen Überschuß. Doch auch die Tanzvergnügen mußten dem veränderten Freizeitverhalten der modernen Gesellschaft Tribut zollen. Wegen Überhandnehmens der Kosten verzichtet man im FC heute meist auf solcherlei Vergnügungen.


 

Der Sportverein trägt dem Rechnung und beschränkt sich fortan mehr auf sein sportliches Angebot, wobei das alljährliche Sportfest an erster Stelle steht. Es findet zwischen zwei Spielserien, meist Anfang Juli statt und bietet allen Clubmannschaften Gelegenheit zum Kräftemessen mit Gegnern anderer Fußballkreise oder höherer Spielklassen.

 

Nicht selten kam es durch Vermittlung ehemaliger Mitglieder, die in der Fremde eine neue Bleibe gefunden hatten, zu Freundschaftsspielen zwischen FC-Mannschaften und Gegnern aus ganz Deutschland. Der Sport als Initiator freundschaftlicher Bande, das ist nicht nur ein Schlagwort!

 

Eine Festschrift vermag nicht akribisch alle Einzelheiten 75jähriger Vereinstätigkeit aufzunehmen. Daher soll lediglich noch eine letzte Funktion in Ergänzung der kulturellen Aufgabe angeschnitten werden: der Verein als Bewahrer von Tradition und Brauchtum. Eine Fahne nennt der FC sein eigen; 1958 wurde die zerschlissene durch eine neue ersetzt. Die Fahne wird mitgeführt bei Festzügen, wobei die FCler den Veranstalter mit ihrer Teilnahme beglücken. Fahnen sind am Volkstrauertag mit von der Partie, und sie werden bei Trauerfeiern verstorbener Mitglieder dreimal über deren Bahre verneigt.

 

Nicht vergessen werden darf in diesem Zusammenhang die Generalversammlung. Sie findet alljährlich am 6. Januar, einem uralten Los und Orakeltag, statt und verläuft stets nach dem gleichen Muster. Die Tagesordnung hat sich seit Jahrzehnten nicht geändert.

 

Pflegen und Bewahren von Althergebrachtem heißt jedoch nicht, sich Neuerungen gegenüber zu verschließen. Die späten achtziger Jahre zeugen davon. Die mittlerweile kulturell ziemlich gesättigte Gesellschaft fand auf einmal Gefallen an heimatlich bodenständiger, an volkstümlicher Kunst. Mundarterzeugnisse in Wort, Schrift und Ton wurden modern. Die seit 1975 bestehende Altherren-Abteilung des FC, eine zahlenmäßig große, aber dennoch verschworene Gemeinschaft, steckte fußballerisch zurück, trug dem neuen Trend Rechnung und trat 1986 erstmals als AH-Spielgruppe an die Öffentlichkeit. Brechend voll war jedes Mal die Schulturnhalle, wenn es galt, Mundarttheater mit Volksmusik vom Feinsten garniert zu servieren. Nach vier anstrengenden Jahren waren die AH-Laienspieler mit ihrer Kraft am Ende. Die Heimatabende gehören der Vergangenheit an. Eigentlich schade, typisch aber für einen Verein! Abteilungen und Gruppierungen tun sich eine Zeitlang hervor und eilen von Erfolg zu Erfolg, um nach Jahren wieder in der Versenkung zu verschwinden. Der Gesamtverein lebt zum Glück weiter.

 

Doch nun wieder zurück zum eigentlichen Anliegen des Fußballclubs Stammbach, der Ausübung des Fußballsports. Nachdem die Nachwuchsmannschaften über Jahrzehnte hinweg Spitzenleistungen geboten hatten, Meisterschaft auf Meisterschaft an die FC-Fahnen hefteten und sich selbst durch den miserablen Zustand des vereinseigenen Spielfeldes nicht vom Erfolgskurs abbringen ließen, stagnierten die Leistungen der Senioren, von wenigen Ausnahmen abgesehen, weiterhin. Dabei hatten sie es viel besser als ihre Kameraden vergangener Jahre, denn ihnen standen nach der Erbauung des Stammbacher Sport und Freizeitzentrums Mitte der siebziger Jahre immerhin gute Umkleide und Duschkabinen sowie ein gemeindliches Rasenspielfeld und ein Allwetterplatz für Trainingszwecke zur Verfügung. Ausgedient hatte die Gaststätte Christian Reichel als Vereinslokal, deren Besitzer sich zwar viel Mühe mit den FClern gegeben hatte, die entfernte Lage zum Sportplatz aber halt doch recht hinderlich war. Hinfällig geworden waren nunmehr auch die Pläne der Vorstandschaft, das Kassiererhaus zu einem Vereinsheim auszubauen. Sie erkannte indes sehr wohl, daß zur Hebung der Spielkultur optimale äußere Voraussetzungen notwendig sind. Dazu gehört heutzutage ein gepflegtes Rasenspielfeld. Und so fassten die Vereinsoberen anlässlich einer außerordentlichen Generalversammlung am 22. Juli 1978 einen weitreichenden Entschluss. Der Chronist Jürgen Nahr berichtet: "Da sich das Spielfeld in einem jämmerlichen Zustand befindet, hat sich die Vorstandschaft des FC Stammbach bereits mit der Gemeinde in Verbindung gesetzt und den Sportplatzausbau besprochen. Die Vereinsarchitekten Karl Döhla und Günter Neidhardt erklärten, sie haben bereits Angebote von Baufirmen vorliegen und eine Kostenaufstellung erstellt. Baubeginn wäre Frühjahr 1979...".

 

Gesagt, getan! Es kostete viel Mühe und Geld, die Planungen des Bauausschusses, der sich aus Günter Neidhardt, Karl Döhla, Max Ehrler, Horst Ebert und Kurt Schramm zusammensetzte, in die Tat umzusetzen. Aber alles klappte. Mit Günter Neidhardt, Platzwart Edwin Reichel und Vorstand Albin Willfahrt als treibende Kräfte gelang es, bis zum Jahr des 60jährigen Bestehens aus dem FC-Platz ein Schmuckkästchen zu machen. Die Gesamtkosten der Sanierungsmaßnahme beliefen sich auf rund 250 000 DM, die überwiegend durch Zuschüsse abgedeckt waren, dem Vereinskassier Horst Ortlam dennoch einige Sorgenfalten entstehen ließen.

 

Wer jetzt gedacht hatte, der famose Rasen würde die FC-Kicker beflügeln und fortan einen Leistungsschub bringen, sah sich bald getäuscht. Gerade eben schaffte man in den folgenden Jahren jeweils den Klassenerhalt, 1985 selbst dies nicht einmal mehr. Und wieder geschah es in der Mitte eines Jahrzehnts! Es schien, als ob die gegnerischen Mannschaften vom herrlichen Grün mehr profitierten als die heimische Elf. Bis 1989 war kein Land in Sicht, obwohl auf allen Funktionärsebenen Fußballkenner und -könner agierten. Und so muss es für Insider wie für Außenstehende wie eine Ironie des Schicksals anmuten, wenn mit der Wahl eines absoluten Fußballnobodies zum 1. Vorsitzenden, dem jeglichen Sport fernstehenden Vereinswirt Hanns Sturm, die Wende zum Besseren eingeläutet wurde. Sicherlich mag auch dazu beigetragen haben, dass fortan, wo ein wunderschönes Spielfeld zur Verfügung stand, überdurchschnittliche auswärtige Spieler beim FC anklopften und ihre Bereitschaft zu einem Vereinswechsel zugunsten des FC bekundeten. Es war dies auch bitter notwendig, hatten sich doch die Zeiten, in denen man auf den eigenen Nachwuchs vertrauen durfte, zum Negativen hin geändert. Tatsache ist, dass mittlerweile auch in den unteren Spielklassen das Geld eine wichtige Rolle spielt. Und wo es nicht fließt, zieht es gute Fußballer selten hin. Daher musste auch der FC Stammbach versuchen, mittels Sponsoren und eines Förderkreises im Strom mitzuschwimmen und Kicker aus anderen Vereinen loszueisen. Ob dieser Trend, bei den meisten Vereinen immer noch gebräuchlich, nicht eines Tages das Aus für den Vereinsfußball auf dem Lande bedeutet, sei dahingestellt.

 

Immerhin trat das ein, was jahrzehntelang erfleht, mittlerweile jedoch niemand mehr zu hoffen gewagt hatte: Die 1. Mannschaft wurde zweimal hintereinander, 1988/89 und 1989/90, Meister ihrer Gruppe  und fand sich plötzlich in der A-Klasse wieder. Welch eine Freude! Die Begeisterung in Stammbach kannte keine Grenzen, zumal die Erfolge anhielten und im ersten Jahr der A-Klassenzugehörigkeit auf Anhieb der 4. Rang heraussprang. In den Annalen des FC Stammbach werden die Namen von Trainer Waldemar Bischoff und den Spielleitern Joachim Kleffel und Gerhard Stricker, Vater des Sieges genannt, wohl immer in goldenen Lettern prangen. 1991 freilich fiel ein dicker Wermutstropfen in den euphorisch gefüllten Vereinsfreudenbecher. Drei Sportidealisten und nimmermüde Funktionäre raffte der Tod innerhalb kurzer Zeit hinweg: Edwin Reichel, Horst Ebert und Willi Köhler. Ein schmerzlicher Verlust für den gesamten Sport! Auch leistungsmäßig waren die Fußballer bald wieder auf dem Boden der Tatsachen, sprich B-Klasse, angekommen, denn 1993 musste man sich unter überaus unglücklichen Umständen mit dem Wiederabstieg abfinden.

 

 

FCS Geschichte 03

Fast wäre es noch schlimmer gekommen. Lediglich durch einen Kraftakt und nur dank des Übungsleitergeschicks von Interimstrainer Jürgen Löhnert gelang es, die B-Klasse zu erhalten. Seitdem unternimmt der Verein alles, um sein Aushängeschild, die 1. Mannschaft, wieder nach oben zu bringen. Und nachdem man 1995 trotz hervorragender Leistungen unter Trainer Jochen Wolf erst im Endspurt am Aufstieg gescheitert war, soll im Jahr des 75jährigen Jubiläums die A-Klassenzugehörigkeit von neuem angepeilt werden. Zur Zeit der Erstellung dieser Festschrift stehen die Zeichen dafür gut. Alles deutet auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen der SpVgg Selbitz und dem FC Stammbach hin. Es wäre schon eine tolle Sache, wenn der FC am Schluss die Nase vorn hätte. Dies umso mehr, weil sich auch im Nachwuchsbereich wieder etwas rührt. Im Moment strömen die Buben und selbst einige Mädchen aus Stammbach und Umgebung in Richtung Sportverein, um in den Bereichen A-Junioren, C, E und F-Jugend mitzuwirken. Es ist das eine äußerst erfreuliche Entwicklung, denn in der heutigen Zeit, wo die Freizeitgestaltung von Fernsehen, Computer und Randsportarten diktiert wird, müssen die diversen Betreuer schon viel Geschick und Können mitbringen, um den Nachwuchs bei der Stange zu halten. Mit Fußball allein wird es nicht getan sein. Da muss schon ein attraktives Beiprogramm angeboten werden. Auf diesem Gebiet freilich galten die FCler schon immer als besonders einfallsreich.

Wollen wir hoffen, dass in nicht allzu ferner Zukunft die Früchte dieser Arbeit geerntet werden dürfen. Ein Verein, der auf den eigenen Nachwuchs zählen und bauen kann, wird immer im Vorteil sein gegenüber jenem, der überwiegend auf Fremdaktive angewiesen ist. Der FC Stammbach v. 1921 darf optimistisch in die Zukunft blicken.

 

 

Dietmar Reichel